Ad Mouchette:
Das stimmt so nicht.
Wann ADHS diagnostiziert werden "darf", darüber gibt es keine Regeln. Es gibt die Empfehlung in DSM-IV, daß ADHS erst ab dem dritten Lebensjahr diagnostiziert werden sollte. Und zwar aus dem einfachen Grund, daß die Diagnose in einem früheren Alter einfach nicht sicher genug gestellt werden kann.
Also in etwa so, wie es auch keinen Sinn macht, Alterssichtigkeit in der Pubertät zu diagnostizieren. Weils einfach zu früh ist und die Symptome etc. zu uneindeutig.
Zweitens gibt es die Empfehlung, daß die medikamentöse Behandlung mit Stimulatien wie Methylphenidat (zB in Ritalin, Concerta) erst mit dem sechsten Lebensjahr beginnen sollte. Allerdings ist das auch nicht mehr der aktuelle Stand, soweit ich weiß.
Der Grund dafür liegt/lag darin, daß man lange Zeit einfach nicht genau genug wußte, wie sich Stimulantien bei Kleinkindern auswirken. Soweit mir bekannt ist, gibt es diese Altersgrenze mit sechs Jahren immer noch, nur ist sie heutzutage aufgrund des besseren Wissens etwas "durchlässiger".
Drittens erfordern nicht erst die nicht erbrachten Schulleistungen eine Diagnose, Therapie etc. In der Schule ist das Umfeld aber stärker durch Regeln bestimmt und stärker kontrolliert als zuhause, und es wird eine "Arbeitsleistung" im weitesten Sinn verlangt.
Und genau unter diesen Umständen macht sich eine ADHS vielleicht erst richtig bemerkbar, weil sie erst da "störend" wirkt. Kann aber durchaus auch schon im Kindergarten sein.
Erforderlich ist eine Diagnose jedenfalls nicht wegen "unserer bösen leistungsorientierten Gesellschaft", sondern wegen der Probleme, die ein undiagnostizierter und nicht adäquat behandelter ADHSler in allen Bereichen seines Lebens hat und die oft vermeidbar wären.
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"Life is too important to be taken seriously."
- Oscar Wilde